Anti Karnevalstour Nahe 2007

Anti- Karnevalstour die 3.
Nach der Hase im Emsland und der Altmühl in Bayern waren wir mit dem diesjährigen Ziel der „Anti-Karnevalstour“, der 123 km langen Nahe ( Nebenfluss des Rheins), dem Gefahrengebiet des Karnevals nicht ganz entronnen, jedoch können sich die Kanuten in der Regel darauf verlassen, dass sich um diese Jahreszeit nicht allzu viel närrisches Volk auf den Flüssen tummelt…

Wir wurden nicht enttäuscht: wir begegneten keinen Narren auf der Nahe, aber auch keinen anderen Kanuten…

Nach gut 45km auf diesem Fluss können wir sagen, das dieser Fluss nicht das verspricht, was im DKV Flussführer Südwest über ihn geschrieben steht. Vielmehr hat er unsere Erwartungen bei weitem übertroffen! Beschrieben wird er als besonders im Oberlauf oberhalb von Bad Kreuznach landschaftlich sehr schöner Wanderfluss zwischen dem Hunsrück im Norden und dem Pfälzer Bergland im Süden. Wassertechnisch, so heißt es im Flussführer bietet die Nahe keine besonderen Schwierigkeiten; hingewiesen wurde noch auf zahlreiche Wehre, die z.T. verfallen und durch Hindernisse unfahrbar sind.

Bei dem Wasserstand, den wir vorfanden, die Nahe war sozusagen „randvoll“, trafen wir auf einen sportlich sehr interessanten Fluss, der durch zahlreiche enge Kurven, längere Schwallstrecken und fahrbare Wehre überraschte, so dass Wildwasserliebende hier wahrlich auf ihre Kosten kommen können. Die Überbleibsel des Hochwassers am Ufer zeigten, das der Fluss 2 Tage vor unserer Ankunft noch extremes Hochwasser hatte, teilweise einen 2 m höheren Wasserstand aufwies.
Für uns bedeutete das ideale Bedingungen zur Befahrung. Wir (Uwe, Uli, Ellen und Tobias) begannen die Tour am Samstagmorgen, kamen am frühen Mittag in Niederhausen an, wo wir beim RKV, dem Ruder- und Kanu Verband Bad Kreuznach unterkamen, die sehr nett und zuvorkommend waren!  Das Vereinshaus ließ nichts zu wünschen übrig. Es gab einen großen Raum, um sich mit Isomatte und Schlafsack auszubreiten, Selbstverpflegerküche und einen Aufenthaltsraum mit Kaminofen und großer Fensterfront mit Blick auf die Nahe. Das „i- Tüpfelchen“ war die hauseigene Sauna, die wir an beiden Abenden natürlich ausgiebig nutzten.

Da es schon nach Mittag war, entschlossen wir uns an diesem Samstag eine kürzere Strecke von 16 km zu fahren, mit Start oberhalb von  Sobernheim und Ziel unsere Unterkunft bei den Ruderern.

Wie gut, dass alle gewählten Kajaks dem unerwarteten Wasser gerecht wurden. Schon bei der Hinfahrt zur Einstiegsstelle sah der Fluss vielversprechend aus. Auf den 16 km gab es Schwallstellen vergleichbar mit der Bröl bei Hochwasser und es erinnerte sehr an die Nister ab Kloster Marienstatt, wenn sie fahrbar ist.

Auf der Strecke gab es drei fahrbare Wehre, die wir auch befuhren, bis auf Uli` s Boot (mit Namen „Wehr- dienst- Verweigerer“), das jedem Wehr den Dienst erfolgreich verweigerte!

Da Uli nur mit halber Spritzdecke fuhr, wurden Schwallstrecken frühzeitig vom vorausfahrenden  Übungsleiter angekündigt, z. B. mit „ nichts schlimmes, hier hoppelt` s nur ein bisschen“…

Nach dem vielen „Hoppelwasser“  wollten wir am Abend Essen gehen und zwar in ein uns empfohlenes Lokal mit heimischer Küche, dem „Jägerstübchen“, ein Name, der Ellen schlimmes ahnen ließ, denn deutsche Küche taugt nicht für hungrige Vegetarier… Zu ihrer Erleichterung ließ sich die empfohlene Lokalität nicht finden und wir landeten in einer etwas skurrilen Pizzeria, in der es keinen Chianti gab und der Wirt nicht der Wirt war. Aber der Koch war Italiener und so kamen wir zu Pizza und fast noch lebendigem Steak, und auch die Getränke kamen entgegen unserer ersten Befürchtung noch vor dem Essen auf den Tisch. Zu Ellen `s Zufriedenheit und zur Enttäuschung der anderen entdeckten wir das „Jägerstübchen“ auf dem Rückweg…

Zurück im Bootshaus bollerte der Kaminofen und die Sauna war aufgeheizt. Ein schöner erster Tag an der Nahe!

Entgegen der Wettermeldung hielt sich der Nebel am Sonntagmorgen im Naheflusstal nicht. Schon während des Frühstücks konnten wir sehen, wie der Reif von der Wiese verschwand und wir konnten die frühen Trainingseinheiten der Rückwärtsfahrer ( pardon: Ruderer) beobachten, was allerdings recht interessant war.

Heute war Zeit genug für eine Anfahrt zum Oberlauf der Nahe, der nur im Winter befahren werden kann und nach dem gestrigen Tag vielversprechend sein musste. Uli` s Frühstückslektüre, ein Artikel aus einem Magazin der Ruderer, mit Titel „Überleben im kalten Wasser“, trug nicht gerade dazu bei ihn optimistisch auf den wohl wilderen Oberlauf einzustimmen. Interessant war der Artikel indes, auch wir hatten bisher nicht gewusst, dass viele Unfälle durch Ertrinken geschehen, obwohl weniger als 3 m vom Ufer entfernt, durch Kälteschock und dem sog. „trockenen Ertrinken“, ein automatischer Schockreflex, der ausgelöst werden kann, wenn kaltes Wasser in Nase und Rachen eindringt ( v.a., wenn man mit den Füßen zuerst ins Wasser fällt). Der Luftweg wird durch den Muskelspasmus geschlossen. Zwar dringt kein Wasser ein, aber Luft ebenso wenig!

Aber diese Lektüre konnte uns natürlich nicht von der Befahrung des Oberlaufes abhalten.

Wir starteten in Heimbach bei km 98, Ziel war Idar- Oberstein ( der Ort mit der einzigen Felskirche in D ) bei km 79; also 19 km  Oberlauf. Dieser Abschnitt zählt mit zu einem der schönsten Abschnitte, da hinter Heimbach ein enges Waldtal  kommt und es keine Straßen- oder Eisenbahnbegleitung gibt.  Auch hier erinnerte die Nahe landschaftlich sehr an die Nister und wassertechnisch auch an die Bröl. Der Abschnitt war denn auch sehr rasant, kurvenreich (daher leider kaum Photos) und die vier fahrbaren Wehre versprachen  genug Action. Uli` s „Wehr- dienst- verweigerer“, blieb zu Anfang zwar standhaft, wir kamen aber nicht umhin zu bemerken, dass das Kajak zunehmend „Wehr-dienst- pflichtig“ wurde, was Uli zu der Äußerung verleitete, dass wenn das Kajak „Wehr-dienst- süchtig“ würde, er sich ein anderes Boot zulegen  würde…

Die 19 km waren einfach klasse, wassertechnisch wie landschaftlich schön und das alles bei strahlend blauem Himmel und viel Sonne. Allerdings wurde die Tour  kurz vor dem Ziel abrupt gebremst und zwar durch ein nicht zu überwindendes ca. 15 m hohem Hindernis, nämlich einem Stauwehr, das der Flussführer mit keinem Wort erwähnt! Uli, der die letzten 2 Wehre bzw. Stufen trotz Schwierigkeiten gut meisterte, fuhr angesichts dieses Hindernisses auf einen Stein auf und stieg 5 m vor dem Ufer und dem zwangsläufigem Ziel aus… Das Ufer war denn auch steil, voller Schlick und Schlamm. Glücklicherweise war das Auto nur wenige Minuten entfernt und nach kurzer Tragestrecke waren wir dann doch am Ziel.

Wir wären auch trotz abholen des anderen Autos an der Einsatzstelle früh zurückgewesen, wäre da nicht die Unklarheit gewesen, wo denn nun eigentlich das Auto an der Einstiegsstelle steht: flussauf- oder flußab???  J Nach 2 Stunden warten  im Neopren und des Ausdauertrainings „Joggen im Neopren“ gegen die feuchte Kühle kam dann unser Taxi doch noch und nach zahlreichen „mea culpa“ wurde den „Delinquenten“ verziehen…

Was wären zukünftige Geschichten am  Lagerfeuer ohne solche Touren- Highlights?!

Auf der Rückfahrt kam es dann doch noch zur Berührung mit den Ausläufern des Karnevals, in Form von Umleitung und Weg suchen durch den  karnevalistischen Restmüll…

Nach gemeinsamen Kaffee und Kuchen fuhr Uli wieder Richtung Windeck mit seinem nachlassenden „Wehr- dienst- verweigerer“.

Die Verbleibenden machten sich was zu essen und die Energie reichte noch für 2 Saunagänge und palavern vorm prasselndem Kaminofen.

Da Montag auch Rückreisetag war, nahmen wir uns nur noch einen kurzes Stück Nahe vor, ca. 10 km. Andere Flüsse der Gegend, z.B. die Glan, wurden von den Bad Kreuznacher Kanuten nicht so sehr empfohlen und die Bäche wie Kellenbach und Alsenz haben schlechte bzw. keine Bahnbegleitung. Am 3. Nahe- Tag  hatten wir ja nur noch ein Auto.

Aber da es ein trüber und kalter Tag war, war uns die kurze Strecke schon recht. Wir verließen unser schönes Quartier und fuhren, da Niederhausen keinen Bahnhof hatte, bis Norheim und Tobias fuhr, nachdem wir die Ausrüstung abgeladen hatten, weiter nach Bad Kreuznach und kam per ÖPNV nach Norheim zurück. Die Nahe besaß auch auf diesem Abschnitt schöne Schwallstrecken, wurde aber merklich ruhiger und breiter. Interessiert hatte uns auf dieser Strecke der sog. „Rotenfels“, die höchste außeralpine Felswand Deutschlands.

Sie war denn auch, trotz leider fehlender Sonne, sehr imposant, zumal der Fluss direkt unterhalb vorbeiführte. Auf diesem Abschnitt waren dann auch schon mehr Weinberge zu sehen.

Auch die Einfahrt nach Bad Kreuznach war sehr interessant. Die Stadt hat, wie der Name schon vermuten lässt, zahlreiche Kur- und Parkanlagen und Salinen (Gradierwerke). Bad Kreuznach ist zudem Kreisstadt des größten Weinbaukreises von Deutschland. Die Wehre waren bei dem Wasserstand alle fahrbar bis zur Kreisstadt und  es gab in Bad Kreuznach sogar  eine Slalomstrecke, mit der ein Wehr umfahren werden konnte.

Ganz ungewöhnlich war, dass sich der Fluss in der Stadt teilte in die „alte Nahe“ und den „Mühlenteich“. Wir wählten, da das Wehr zur alten Nahe schlecht zu befahren war, den

„Mühlenteich“ .Der führte dann durch die schöne Altstadt  bis zur „alten Nahebrücke“, auf der die berühmten Brückenhäuser auf den Pfeilern stehen. Eine beeindruckende Stadtbesichtigung!

Hinter einem Längswehr mit schwieriger Auslaufstufe ( das Uwe sich nicht nehmen ließ zu fahren ), ging es wieder auf die Nahe zurück  und nach ca. 1,5 km erreichten wir dann auch unser Ziel, wo das Auto stand.

Die Rückfahrt war mit 2 Std. schnell bewältigt, was zeigt, dass dieser interessante Fluss nicht allzu weit entfernt ist, um noch mal aufgesucht zu werden, zumal man mit dem schönen Quartier bei den Ruderern ein tolles Lager hat.

Wir sind also gar nicht traurig, dass das zuerst anvisierte Anti-Karnevalsziel, die Eder, wegen der Befahrungsregelung nicht geklappt hat. Wir hätten die überraschend sportliche Nahe im Februar nicht kennen gelernt!

Ein Dankeschön an Uwe für sein untrügliches Gespür für hervorragend komfortable Unterkünfte, verbunden mit dem Hinweis das ein „Anti-Karnevals-Tour-Quartier“ nunmehr nicht mehr ohne Sauna auskommt ( nach 3 Anti-Karnevals-Touren mit Sauna besteht ja wohl so was wie „Gewohnheitsrecht“ …

Ellen

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